Als Oma und Opa in Saulheim zur Schule gingen

Grundschüler suchen Geschichten und Erlebnisse zum Schuljubiläum

 

Die lokale Zeitung – 4-08 von Astrid Kehsler

 

SAULHEIM. Wie war es wohl damals vor 50 Jahre, als die ersten Kinder die neue Schule in Nieder-Saulheim besuchten? Im großen Jubiläumsjahr der Grundschule am Kapellenberg liegt diese Frage in der Luft. Antworten soll eine Ausstellung beim großen Schulfest am 7. Juni geben, für die noch Dokumente, Fotos, Schulmaterialien und Erinnerungsstücke gesucht werden. Einzelne Klassen sammeln bereits jetzt ihre ganz besonderen Erlebnisse, wie die 3c mit ihrer Lehrerin Elisabeth Schäfer.

 

„Wir haben allen Omas und Opas einen Brief geschrieben und gefragt, wie es früher war“, erzählt Lisa. Damit haben die Kinder viele Erinnerungen wach gerufen, über die sie beim Vorlesen der Antwortbriefe so manches Mal gestaunt haben. „Früher gab es nur zwei Klassenräume – in dem einen waren die Kinder vom ersten bis zum vierten Schuljahr, im anderen die Kinder vom fünften bis zu machten Schuljahr“, erzählt Markus. Oft ging es schon morgens vor der Schule in die Kirche, und nachmittags gab es Unterricht in Sport oder Gestalten, wie Marvin von seinem Opa erzählt, der in Mainz die Schule besuchte. Streiche sind vielen im Gedächtnis geblieben – die Zöpfe im Tintenfass oder die Zeitung als Polster in der Hose, falls die Jungs eine Strafe erwarteten. Mal klingelten die Schüler frühzeitig zu Pause, mal verpassten sie den Anfang der nächsten Stunden über das heimliche Fußballspielen.

 

Nach den vielen Briefen erlebte die Klasse auch eine besondere Schulstunde: Karin Eckler, heute 62 und Oma des Drittklässlers Max Schneider, kam als Überraschungsgast und brachte neben ihren Erinnerungen auch ihre Schulsachen mit: den Lederranzen mit Griffelkasten, Schiefertafel und Schwämmchen, Heften und ihrem Zeugnisheft. Spannend war es, einmal das ganze Schulmaterial von früher zu wiegen und im Vergleich dazu die Dinge, die heute ein Drittklässler benötigt: Während Oma Eckler als Kind die drei bis vier Pfund noch täglich in die Ober-Saulheimer Schule tragen konnte, muss sich ihr Enkel Max für jeden Tag neu den Ranzen packen, denn alles komplett würde 14 Pfund wiegen!

 

Dennoch fühlen sich die Kinder in ihrer heutigen Zeit wohler: „Mir gefällt es heute besser, weil es früher keine Spielgeräte für die Pause gab“, meint Moritz. „Weil es heute keinen Fliegeralarm mit Bombenangriffen gibt“, ergänzt Karina. Dass es heute nicht mehr so streng in der Schule zugeht, bemerkten andere, und dass es Farbfotos gibt, Klassen für jeden Jahrgang und kein Plumpsklo mehr. Doch so schön gestaltete Arbeitshefte wie die von Karin Eckler hätte so manches Kind auch heute noch gerne.

 

Damit die Schulzeit früherer Generationen auch in anderen Klassen und Familien zu einem spannenden Gesprächsthema werden kann, wird zum Schulfest am 7. Juni eine Ausstellung vorbereitet. Wer dazu noch Materialien zur Verfügung stellen möchte, kann dienstags, mittwochs und freitags zwischen 8 und 13 Uhr ins Sekretariat kommen, Telefon 06732/4625. Originaldokumente werden kopiert und können sofort wieder mitgenommen werden.